Nachhaltigkeitsberichterstattung

EU lockert Nachhaltigkeitsregeln für Unternehmen

Die Europäische Union hat das Omnibus-I-Paket zur Nachhaltigkeitsregulierung Ende 2025 auf den Weg gebracht und die Trilogverhandlungen abgeschlossen. Im Mittelpunkt stehen Erleichterungen bei der Nachhaltigkeitsberichterstattung, bei unternehmerischen Sorgfaltspflichten und bei Vorgaben der europäischen Taxonomie-Verodnung. Für Unternehmen bedeutet das weniger Pflichtumfang, aber keine Entwarnung für die Nachhaltigkeitscompliance.

Reformziel Omnibus-I-Paket

Das Omnibus-I-Paket soll bestehende Nachhaltigkeitsvorgaben vereinfachen und den administrativen Aufwand senken. Die Reform reagiert damit auf Kritik aus der Wirtschaft, Berichts- und Prüfpflichten für viele Unternehmen seien zu umfangreich geworden. Zugleich bleibt der politische Anspruch, wesentliche Transparenz- und Sorgfaltsstandards zu erhalten.

Besonders wichtig: Der Kreis unmittelbar betroffener Unternehmen wird deutlich kleiner. So soll die Pflicht zur Nachhaltigkeitsberichterstattung künftig erst ab 1.000 Beschäftigten und 450 Millionen Euro Nettoumsatz greifen. Die Vereinfachungen gelten rückwirkend ab Geschäftsjahr 2025.

Die folgende Tabelle fasst die wesentlichen Änderungen durch das Omnibus-I-Paket an der EU-Taxonomie-Verordnung (vorher: Verordnung (EU) 2020/852 mit Delegierten Akten) gegenüber dem Status vor der Reform zusammen.

Bereich Vorherige Regelung Nach Omnibus-I-Paket
Adressatenkreis Große Unternehmen (z. B. > 500 Beschäftigte, hohe Umsatzschwellen) müssen Umsatz/CapEx/OpEx taxonomiekonform angeben. Beschränkt auf die größten Unternehmen; Reduktion des Berichtsumfangs um bis zu 70%.
Wesentlichkeitsschwelle Keine kumulative Schwelle; alle relevanten Tätigkeiten vollständig zu prüfen und anzugeben. Unwesentliche Tätigkeiten (< 10% Umsatz/ CapEx/ OpEx je Kennzahl) können ausgelassen werden; separate Mitteilung erforderlich.
Meldebögen/Templates Umfangreiche Angaben mit vielen Datenpunkten. Vereinfachte Vorlagen; Reduktion um ca. 64% der Datenpunkte.
DNSH-Kriterien (Do No Significant Harm) Strenge Prüfung aller Stoffe (z. B. Ozonabbau, RoHS, SVHC-Liste REACH) ohne Ausnahmen. Vereinfacht: Ausnahmen für bestimmte Stoffe klarer formuliert (z. B. Ozon, RoHS-Übergänge, SVHC ab 0,1% mit Dokumentation); REACH-Kandidatenliste gestrichen.
Anwendung Vollständig seit 2022/2024. Änderungen ab 2026, optional rückwirkend für 2025; teilweise Bericht über teilkonforme Tätigkeiten möglich.

Folgen für die Berichtspflicht

Die Pflicht zur Nachhaltigkeitsberichterstattung wird damit deutlich stärker auf große Unternehmen konzentriert. Viele Unternehmen, die nach früheren Vorgaben hätten berichten müssen, werden nach der Reform nicht mehr unmittelbar erfasst. Für die verbleibenden Adressaten soll der Berichtsumfang zugleich übersichtlicher und handhabbarer werden.

Auch bei den unternehmerischen Sorgfaltspflichten ist eine Abschwächung vorgesehen. Die neuen Regeln setzen stärker auf risikoorientierte Prüfungen und auf höhere Schwellenwerte, statt breite Lieferkettenprüfungen in gleicher Intensität zu verlangen. Außerdem verschiebt sich der Beginn einzelner Pflichten zeitlich nach hinten.

Die Anforderungen der europäischen Taxonomie-Verordnung werden ebenfalls reduziert. Sie dienen der einheitlichen Klassifizierung wirtschaftlicher Aktivitäten als ökologisch nachhaltig. Der Schwerpunkt liegt künftig stärker auf den größten Unternehmen, während der Meldeaufwand für andere Unternehmen sinken soll.

Auswirkungen Omnibus-I-Paket auf die Compliance

Für die Unternehmenscompliance entsteht zunächst ein Entlastungseffekt. Weniger Berichtspflichten bedeuten weniger Datensammlung, weniger Abstimmungsaufwand und einen geringeren Bedarf an externer Prüfung. Das ist vor allem für Unternehmen wichtig, die bisher viel Aufwand in Nachhaltigkeitsstrukturen investieren mussten.

Die Entlastung darf jedoch nicht mit einem Wegfall aller Pflichten verwechselt werden. Auch Unternehmen außerhalb des unmittelbaren Pflichtenkreises können weiterhin Nachhaltigkeitsdaten liefern müssen, etwa gegenüber Kunden, Kreditgebern oder Konzernunternehmen. In der Praxis verlagert sich der Druck daher häufig von der Regulierung auf die Geschäftsbeziehungen.

Für die Compliance-Funktion bleibt deshalb die Aufgabe bestehen, Zuständigkeiten, Datenqualität und Dokumentation belastbar zu organisieren. Gerade wenn weniger gesetzliche Einzelvorgaben gelten, werden interne Steuerung, klare Prozesse und nachvollziehbare Kontrollen wichtiger.

Insgesamt ist das Omnibus-I-Paket als Kurskorrektur zu bewerten. Die Europäische Union versucht, die Nachhaltigkeitsregulierung auf ein praktikableres Maß zurückzuführen, ohne den Grundsatz von Transparenz und Verantwortung aufzugeben.

Für Unternehmen ist jetzt entscheidend, die neuen Schwellenwerte, Fristen und Restpflichten genau zu prüfen. Wer seine Compliance-Strukturen anpasst, sollte nicht nur auf die formale Berichtspflicht schauen, sondern auch auf die Anforderungen aus Lieferketten, Finanzierung und Vertrieb.

Die zentrale Botschaft lautet daher: weniger Pflicht, aber nicht weniger Sorgfalt. Nachhaltigkeits-Compliance bleibt ein Thema, nur mit engerem gesetzlichem Zuschnitt und stärkerem Fokus auf die tatsächlich relevanten Risiken.